Am 18. Dezember 2020 hat das Schweizer Parlament mit grosser Mehrheit für die Öffnung der Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare gestimmt. Die Verabschiedung dieses lang erwarteten Gesetzes ist eine wichtige Errungenschaft und stellt den nächsten Schritt in Richtung Gleichberechtigung für alle Paare dar. Nichtsdestotrotz haben Gegner*innen der Gesetzesänderung über 50’000 Unterschriften gegen die Legalisierung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare gesammelt und somit ein Referendum bewirkt. Daher wird die Ehe für alle am 26. September 2021 Gegenstand einer eidgenössischen Abstimmung sein. Obwohl LGBTIQ+ (lesbische, schwule, bisexuelle, trans-, intergeschlechtliche und queere) Personen in der Schweiz gesellschaftlich weitgehend akzeptiert sind, sind sie dennoch rechtlich benachteiligt im Vergleich zu ihren cis-heterosexuellen Mitbürger*innen (d.h. heterosexuelle Personen, deren Geschlechtsidentität dem ihnen zugewiesenen Geschlecht entspricht).

Die Schweiz sagt Ja zur #EhefürAlle!

Die Einführung der Ehe für alle in verschiedenen Ländern der Welt hat in mehreren Studien gezeigt, dass Ängste, unsichere Verhaltensweisen und die Suizidrate von LGBTIQ+ Personen mit der damit verbundenen Stigmatisierung zurückgingen. Die Stärkung der sozialen Akzeptanz der LGBTIQ+ Community durch die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Liebe würde es gleichgeschlechtlichen Paaren und ihren Kindern ermöglichen, besser durch das Gesetz geschützt zu werden. Trotz des in der Bundesverfassung verankerten Rechts auf Ehe und Familie und dem damit verbundenen Verbot der Diskriminierung von Lebensformen leiden LGBTIQ+ Personen unter einer grundsätzlichen rechtlichen und persönlichen Benachteiligung, die mit der Zivilehe für gleichgeschlechtliche Paare beseitigt würde, indem endlich ein besserer Schutz für Familien und deren Kinder im Allgemeinen gewährleistet wäre.[1]

Auch wissenschaftliche Studien bestätigen übereinstimmend, dass Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Eltern, Regenbogenfamilien oder anderen nicht-traditionellen Familien aufwachsen, genauso gut aufwachsen wie andere Kinder. Diese Studien zeigen, dass Kinder vor allem liebevolle Bezugspersonen brauchen, unabhängig von deren Geschlecht sowie sexuellen und emotionalen Orientierung.[2],[3]

Die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ist die bewussteste Entwicklung einer Institution, die untrennbar mit der Realität der Familien und den gesellschaftlichen Werten verbunden ist, wie sie es über die Jahrhunderte hinweg immer wieder war. Verschiedene Arten von Familien sind seit langem Teil unserer Gesellschaft und internationale Forschungen zeigen, dass die Ehe selbst Familien stärkt, indem sie ihnen das Gefühl gibt, sicherer und akzeptierter zu sein, abgesehen davon, dass sie sich symbolisch mehr verpflichtet fühlen und für die gesamte Gesellschaft sichtbar sind.[4],[5]


[1] Hatzenbuehler, M. C. & Johnson, R. C. (2020). The impact of institutional discrimination on psychiatric disorders in lesbian, gay and bisexual populations: A prospective study. American Journal of Public Health, 100(3), 452-459.

[2] Anderssen, N., Amilie, C., Grasso, C., Mayer, K. Safren, S., & Bradford, J. (2012). Effect of the marriage laws on health care use and expenditures in sexual minority men: A quasi-natural experiement. American Journal of Publich Health, 102(2), 285-291.

[3] Ogolsky, B.G., Monk, J.K., Rice, T.M., & Oswald, R.F. As the states turned: Implications of the changing legal context of same-sex marriage on well-being, Journal of Social and Personal Relationships. 2019, 36(10), 3219-3238.

[4] Wienke, C., & Hill, G. J. (2009). Does the “marriage benefit” extend to partners in gay and lesbian relationships? Journal of Family Issues, 30(2), 259-289.

[5] Evidence from a random sample of sexually active adults. Journal of Family Issues, 30(2), 259-289.